Artgerechtes Wildbienen-Hotel selber basteln

Toll, dass ihr für Hermi und ihre Freund:innen ein Zuhause bauen wollt, in dem die sich richtig hummelwohl fühlen können!

Ihr habt  bestimmt schon gesehen, dass es solche "Insektenhotels" auch zu kaufen gibt. Doch leider sind viele davon nicht wirklich auf die Bedürfnisse der Tiere angepasst und sind z.B. nicht tief genug, bieten nicht genug Schutz vor Feind:innen oder Wetter usw. Außerdem macht es viel mehr Spaß euer eigenes Hotel zu gestalten, in dem es sich die Hummeln und Insekten dann so richtig gemütlich machen können!

Hier findet ihr 3 unterschiedlich aufwendige Ideen für so ein Hotel. Schaut euch das mal an und entscheidet dann, welche Variante für eure Gruppe am besten passt (je nachdem, wie alt die Kinder und Jugendlichen sind, wie viel Platz ihr habt, welche Material ihr zur Verfügung habt etc.) 

Am Ende findet ihr außerdem noch hilfreiche Tipps und Tricks rund um euer brandneues Wildbienen-Hotel. Also scrollt jedenfalls bis ganz nach unten!

Viel Spaß beim werkeln!

 

Inklusionstipp: 

Das Bauen von artgerechten Wildbienenhotels ist eine sehr anschauliche und sinnstiftende Aktion, bringt jedoch je nach Variante unterschiedliche Anforderungen mit sich. Vor allem Arbeiten mit Werkzeugen, Bohren, Sägen oder feinem Schleifen können für manche Kinder körperlich, motorisch oder sensorisch herausfordernd sein und sollten daher freiwillig bleiben. Um allen eine Beteiligung zu ermöglichen, können Aufgaben aufgeteilt werden, zum Beispiel Material sortieren, Röhrchen auswählen, beim Befüllen helfen, Standorte aussuchen, das fertige Hotel gestalten oder dokumentieren. 

Für jüngere Kinder, Kinder mit motorischen Einschränkungen oder geringerer Ausdauer eignen sich besonders einfache Arbeitsschritte wie Stecken, Drücken, Gießen oder Dekorieren. Komplexere oder sicherheitsrelevante Tätigkeiten können von älteren Kindern oder Erwachsenen übernommen werden, ohne dass dies als Ausschluss erlebt wird. Klare Erklärungen, Vormachen und ruhige Arbeitsphasen unterstützen Kinder mit Sprachbarrieren, ADHS oder im Autismus-Spektrum. Die Methode eignet sich gut für gemeinsames Tun, ist aber weniger geeignet für sehr große Gruppen oder Situationen mit hohem Zeitdruck, da sorgfältiges Arbeiten und Pausen wichtig sind, um Überforderung und Frustration zu vermeiden.

 

Variante 1: Bambus + Konservendose = Zuhause 

Material: 

  • 20-30 Bambusröhrchen (innen hohl, Löcher: 2-9mm Durchmesser, Länge: 10-15- cm), 
  • leere & saubere Konservendose, 
  • Gips/Lehm/Kleber zum Fixieren, 
  • Schleifpapier, 
  • Schnur oder Draht zum Aufhängen 

Alter: ab 4 Jahren 

Dauer: 45 Minuten 

 

So wirds gemacht 

  1. Sägt zuerst eure Bambusröhrchen zu. Schneidet dabei immer hinter einem Knoten, damit das hintere Ende natürlich verschlossen ist und die Wildbienen später eine geschützte Brutkammer haben. 
  2. Glättet anschließend alle Innenkanten sorgfältig mit Schleifpapier, damit keine Splitter stehen bleiben und sich die Tiere nicht verletzen können. 
  3. Füllt nun eure Dose mit einer Gips- oder Lehmmischung und steckt die Bambusröhrchen dicht an dicht hinein. Achtet darauf, dass sie fest sitzen. Wenn ihr möchtet, könnt ihr die Röhrchen alternativ auch mit ungiftigem Kleber fixieren. 
  4. Lasst alles gut trocknen und verziert die Dose nach Lust und Laune – am besten mit wetterfesten Farben. 
  5. Hängt euer fertiges Bambushotel schließlich an einem sonnigen, regengeschützten Platz auf, idealerweise mindestens einen Meter über dem Boden. So bleibt es trocken, warm und wird besonders gerne angenommen. 

 

Variante 2: Ziegelsteine bewohnbar machen 

Material:  

  • Gitterziegel aus dem Baumarkt 
  • Alte Raspel oder Feile 
  • Starker Draht für die Aufhängung 
  • Steinbohrer (passend zur Drahtstärke) 
  • Lehm & Wasser 
  • Holzstückchen zum Eindrücken des Lehms 
  • Nägel, Stricknadeln oder Rundholz (für die Nistgänge) 
  • Bambusrohrabschnitte (ca. 10–15 cm lang) 

Alter: ab 5 Jahren 

Dauer 90 Minuten (plus Zeit zum Trocknen) 

 

So wirds gemacht 

  1. Die Öffnungen im Gitterziegel haben oft scharfe Grate, an denen sich Insekten verletzen können. Entfernt deswegen zuerst mit einer alten Raspel sorgfältig alle scharfen Stellen. 
  2. Aufhängung vorbereiten: Bohrt Links und rechts oben zwei Löcher mit einem Steinbohrer. Biegt den Draht in der Mitte zu einer Schlaufe, an der ihr euer Hotel nachher aufhängen könnt. Steckt zuletzt die Enden in die gebohrten Löcher und biegt sie ggf. zur Fixierung innen um. 
  3. Mischt den Lehm mit Wasser zu einem zähen Brei an. Drückt ihn dann mit Holzstückchen fest in die Ziegelöffnungen, sodass stabile Kammern entstehen. Lasst aber noch einige Löcher offen – dort kommen später Bambusröhrchen hinein. 
  4. Drückt in den noch weichen Lehm mit Nägeln, Stricknadeln oder Rundholz saubere Gänge ein (Tiefe ca. 10 cm, Durchmesser 3–6 mm) 

    Wichtig: Ihr müsst eure Werkzeuge zuerst komplett durchstechen, damit beim Herausziehen kein „Luftpumpeneffekt“ entsteht (sonst fallen Löcher wieder zusammen). Verschießt die Löcher an der Rückseite zum Schluss einfach wieder mit Lehm. 

  5. In die zuvor freigelassenen Öffnungen steckt ihr Bambusrohrstücke ein, die einige Zentimeter hervorstehen. Diese werden von manchen Wildbienenarten besonders gerne angenommen. 
  6. Bearbeitet die Löcher nach etwas Trocknungszeit noch einmal mit euren Werkzeugen mit Drehbewegungen nach, damit sie sauber und glatt bleiben. Lasst den Lehm dann vollständig trocknen. 

 

Variante 3: Ein alter Baumstamm wird zum neuen Heim 

Material: 

  • Baumstamm (mind. 20cm dick) aus Hartholz (Eiche, Esche, Buche, ...), 
  • Bohrer in verschiedenen Stärken (2-10mm), 
  • Schleifpapier, 
  • Befestigung (Haken, Draht Lochblech, ...) 
  • Optional: Dach aus Restholz als Regenschutz 

Alter: ab 8 Jahren 

Dauer 60 Minuten 

 

So wirds gemacht 

  1. Entfernt zuerst die Rinde vom Holzstück – das ist nicht unbedingt nötig, erleichtert euch aber das Bohren und sorgt für saubere Ergebnisse. 
  2. Setzt nun eure Bohrlöcher ausschließlich ins Längsholz, nie in die Stirnseite. Die Löcher sollten zwischen 5 und 12 cm tief sein und einen Durchmesser von 2–10 mm haben. Achtet dabei auf genügend Abstand zwischen den einzelnen Gängen (ca. 1–2 cm), damit das Holz nicht reißt und die Wildbienen später sichere Kammern vorfinden. 
  3. Schleift anschließend alle Bohrlöcher sorgfältig glatt, damit keine Splitter stehen bleiben. So verhindert ihr, dass die empfindlichen Flügel der Wildbienen verletzt werden. 
  4. Bringt jetzt an der Rückseite eine stabile Befestigung an, zum Beispiel eine Schraube oder einen kräftigen Haken, an dem ihr euer Wildbienenhotel später sicher aufhängen könnt. 
  5. Optional könnt ihr oben ein kleines Regendach montieren oder das Holzstück von vornherein an einem wettergeschützten Ort anbringen. 
  6. Zuletzt hängt ihr euer fertiges Hotel an einer sonnigen, trockenen Wand auf – idealerweise in Süd- oder Südost-Ausrichtung, damit die Nisthilfe schön warm bleibt und gut angenommen wird. 

 

Tipps rund ums Hummelhotel: 

Bau und Standort 

  • Harthölzer statt Weichholz oder Nadelholz (Harz verklebt Flügel). 
  • Keine unbearbeiteten Hohl-/Lochziegel, kein Stroh, keine Kiefernzapfen, kein frisches Holz. 
  • Röhren geschlossen am hinteren Ende, glatt & splitterfrei 
  • Bohrlöcher mindestens 8–12 cm tief, gleichmäßig, quer zur Faser. 
  • Standort sonnig, ideal Richtung Süd/Südost. 
  • Trocken und windgeschützt (unter Dachvorsprung). 
  • Stabile Befestigung in mindestens 1 m Höhe (Schutz vor Fressfeinden) 
  • Insekten mögen es warm & trocken, überwintern aber draußen (Hotel im Winter nicht hinein stellen) 
  • In der Nähe sollten Blühpflanzen und Wasser sein – sonst ziehen Wildbienen nicht ein. 
     
     

Einfache Insektentränke  

Material: 
  • Flacher Teller oder Schale, 
  • Steine, 
  • Äste, 
  • Moos und anderes Naturmaterial, 
  • Wasser 
Anleitung 

Füllt die Schale mit Steinen und anderem Naturmaterial, sodass viele kleine Sitzflächen entstehen. Füllt dann Wasser ein, aber nur so hoch, dass die Sitzflächen trocken bleiben. Stellt eure Tränke an einer sonnigen, aber nicht zu heißen Stelle auf. Befüllt sie regelmäßig und reinigt sie bei Bedarf. 

 

Wildblumen & Futterpflanzen in der Nähe 

In der Nähe eures Insektenhotels oder eurer Tränke sollte es immer ausreichend Nahrung geben. Bedenkt das, wenn ihr einen Platz dafür auswählt. Alternativ könnt ihr auch selbst passende Blumen anbauen – zum Beispiel mit dem Samenpapier in unserem Baumkuvert. 

Besonders geeignete Pflanzen: 

  • Kräuter: Thymian, Oregano, Salbei 
  • Wildblumenmischungen für Bienen & Hummeln (fertig erhältlich) 
  • Obstbäume & Beerensträucher 
  • Natternkopf (wichtig für spezialisierte Wildbienenarten)