Hermi und Taba
Die Geschichte zum Nach- und Vorlesen gibt es hier:
Taba und das große Brummen
Hallo ihr Lieben! Wie schön, euch endlich wieder zu sehen. Heute ist sooo ein sonniger Tag und ich bin wieder einmal unterwegs. Ausnahmsweise steht eine Sightseeing-Tour auf dem Programm. Das mache ich nicht oft, denn eine Großstadt ist normalerweise nicht mein Revier. Viel zu laut, viel zu grau, viel zu hektisch. Aber heute habe ich mir gedacht: Warum nicht? Also schlendere ich gemütlich durch die
Straßen und schaue mir alles genau an.
Doch schon nach kurzer Zeit merke ich: Autsch!
Der Boden unter meinen Füßen wird immer heißer. Erst kitzelt es ein bisschen, dann fängt es an zu zwicken – und plötzlich tut es richtig weh! Ich hebe ein Beinchen, dann das andere, hüpfe hin und her, so schnell ich kann. Aber wohin ich auch schaue: Kein Schatten, keine Wiese, kein kühler Platz. Nur Häuser, Straßen
und noch mehr Straßen!
Und da ist noch etwas: Ein Brummen. Erst ganz leise, dann immer lauter. Je länger ich nach einem sicheren Ort suche, desto unwohler fühle ich mich.
„Hilfe!“, denke ich. „Wie komme ich bloß so schnell wie möglich von diesem heißen Boden weg?“ So habe ich mir diesen Tag wirklich nicht vorgestellt!
Plötzlich merke ich, dass etwas näher kommt. Das Brummen wird stärker, fast wie ein Dröhnen. Ich will mich gerade umdrehen, um nachzusehen, da höre ich eine klare Stimme: „Hey! Hüpf rauf!“
Und schwupp, bin ich in der Luft!
Erschrocken, aber auch erleichtert, sitze ich plötzlich irgendwo oben.
„Danke …?“, sage ich vorsichtig und schaue mich um.
Um mich herum schwirren viele kleine, flauschige Tierchen. Jedes von ihnen ist kaum größer als ein Daumennagel. Aber gemeinsam tragen sie mich! Und glaubt mir: Sogar für eine hundert Jahre alte Schildkröte, die schon viel gesehen hat, ist das wirklich beeindruckend.
„Wer seid ihr denn?“, frage ich neugierig.
Da fliegt eines der Tierchen direkt vor mein Gesicht.
„Hey, alles klar bei dir? Ich bin Hermi, und das sind meine Freundinnen.
Gemeinsam sind wir ein Brummelvolk – kleiner Spaß! Natürlich meinte ich Hummelvolk. Schön, dich
kennenzulernen!“
Ganz vorsichtig setzen sie mich auf einem begrünten Streifen am Straßenrand ab. Endlich!
Kühle Erde, weiches Gras, ein bisschen Schatten, kühler Boden unter meinen Füßen. Ich atme tief durch und sehe mich um: Überall tummeln sich Hummeln! Einige fliegen aufgeregt hin und her, andere ziehen unter lautem Brummen große Transparente hinter sich her. Darauf steht:
„Wir sind hier! Wir sind laut!
Weil man uns die Blüten klaut!“
Oder:
„Uns fehlen Bäume, Wiesen, Blätter –
damit wär’s für alle netter!“
Ich kann meinen Blick kaum abwenden. So etwas habe ich noch nie erlebt.
„Hermi“, frage ich schließlich, „was bedeuten all diese Sprüche?“
Hermi wird ernst. „Uns Hummeln geht es im Moment nicht besonders gut“, erklärt sie. „Der Klimawandel macht uns große Probleme. Es wird zu heiß, es gibt immer weniger Blumen und kaum noch Plätze zum Leben.“
Sie summt kurz und fliegt ein kleines Stück höher.
„Deshalb sind wir unterwegs zu einem internationalen Vernetzungstreffen. Das organisiert Hekla, eine alte Spinnenfreundin von mir. Und weil wir sowieso gemeinsam fliegen, haben wir uns gedacht: Wir machen gleich laut auf unsere Themen aufmerksam. Hat doch gut funktioniert, oder?“
Sie lacht und streicht über ihren Aufnäher, ich muss mitlächeln.
„Darf ich mitkommen?“, frage ich ohne lange nachzudenken.
„Natürlich!“, ruft Hermi. „Zusammen sind wir stärker!“
Also mache ich mich mit ihnen auf den Weg. Am Treffpunkt angekommen, traue ich meinen Augen kaum: Leopold und Kimo sind auch da!
Wir freuen uns riesig, einander wiederzusehen. Doch schnell merken wir: Die Probleme, von denen die Hummeln erzählen, sind jenen ähnlich, über die uns auch schon Kimo und Leopold erzählt haben. Es gibt sie überall auf der Welt.
Die Konferenz beginnt. Tiere aus allen Ländern berichten von heißen Böden, vertrockneten Wiesen, schmelzendem Eis und fehlenden Schattenplätzen. Zu viel Müll, und einigen Menschen, die einfach nicht genug bekommen können. Bei unserem Treffen hören wir einander zu, tauschen Ideen aus und überlegen,
was wir gemeinsam tun können.
Am Ende sind wir uns einig: Wir wollen zusammenhalten, laut sein und die Natur schützen – für uns und für alle, die nach uns kommen.
Ich schaue in die Runde und fühle mich hoffnungsvoll, denn unter den Besucher:innen sehe ich nicht nur Tiere. Ich sehe auch ganz viele Menschenkinder und euch brauchen wir ganz besonders!
Vielleicht ist die Welt manchmal ganz schön schwierig. Aber solange wir aufeinander achten, gemeinsame Ziele finden und zusammen handeln, gibt es immer einen Weg, da bin ich sicher.